Freunde, Kumpels, Bekannte – wie meine Socken ziehe ich sie an und aus. In dieser Stadt der Beliebigkeit ergeile ich mich. Ergeile mich am Wühltisch der Freundschaften. Ich überprüfe oberflächlich und schmeiße den meisten Mist sofort wieder auf und über den Haufen. Meine innere Stimme sagt mir: wähle nach Äußerlichkeiten, nach Plattheit, möglichst flach und nach Form, statt nach Inhalt und Tiefe. Wähle wie Du Produkte wähltest. Produkte von denen Du weisst dass sie sich in ihrem Inhalt gleichen und dich betrügen. Produkte die dir nur die Entscheidung lassen, welcher Form Du dich unterwerfen willst. Mehr bekommst Du nicht. Denn Besitz und Glück sind nicht von Dauer.
Und also stehe ich immer noch am Wühltisch und sehe die anderen wühlen - wie mich. Völlig geil und mit Schaum vor den Mündern lüstern sie nach Schnäppchen. Nicht mehr nur nach dem Schnäppchen, sondern gleich nach mehreren Schnäppchen die man mal so eben beim täglichen Einkauf ergattern kann. Routiniert überprüfen sie jedes einzelne Stück auf Oberflächlichkeit, Attitude und erste Makel. Alles was dann Makel hat, menschliche Makel hat, menschlich ist, wird aussortiert. Das andere, das sich besser verkauft, äußerlich keinen Fehler hat und menschlich ist, zeigt sein wahres Gesicht erst nach einiger Zeit. Nach fünfmal Waschen ist der Schein verblasst, der Makel aufgedeckt.
Die Aussortierten hingegen, werden wie jeden Tag auf und über den Haufen geschmissen. Ab und an hat einer Glück und kann dem Freundschaftsspiel entkommen. Vielleicht steht er dann eines Tages selbst am Wühltisch und schaut in die geiernden Gesichter der anderen Jagenden. Vielleicht wird er dann verstehen, dass er nicht nur der Jäger, sondern die Beute ist.

